Ferien II Auf Würfelreise

16. Juli 2026

Am Morgen geniessen wir draussen auf dem Sitzplatz nochmal ein Frühstück, bevor wir uns von unseren Freund:innen verabschieden. Nun kommt ein Reisemodus ins Spiel, der von uns schon vielfach praktiziert wurde. Als stolze Besitzer:innen eines GA überlassen wir das Ziel der heutigen Reise dem Schicksal. Zwei 6er-Würfel weisen uns den Weg. Am Bahnhof Blitzingen geht es entweder talaufwärts Richtung Furka bzw. Andermatt (ungerade Würfelzahl) oder talabwärts Richtung Brig (gerade Würfelzahl). Die Würfel bedeuten das Letztere.

Unterwegs im Zug würfeln wir, welches unser erster Zwischenhalt sein wird: 8 Stationen bis Mörel. Jeder Halt ist mit der Auflage verbunden, sich auf den Ort einzulassen. Zuerst kaufen wir im Coop das Picknick ein. Darauf suchen wir einen Park oder Kiesplatz, auf dem wir eine Partie Pétanque spielen können. Die Kirche St. Hilarius ist auf der Liste der schützenswerten Kulturgüter eingetragen, die Wege sind alle gepflastert. Auf Google-Maps sehe ich in der Nähe einen Kinderspielplatz eingezeichnet. Und was finden wir dort: eine Pétanque-Bahn! Erbaut im letzten Herbst, wurde sie von der Gemeinde, der Pfarrei, zwei Firmen und ein paar Privatpersonen ermöglicht. Danke den Stifter:innen, dass wir hier das erste Tête-à-tête des Tages spielen dürfen!

Sankt Hilarius Kirche und Haus de Sepibus
„Inschi Pétanquebahn“ (Tafelinschrift)
Flechte auf Holz

Nach dem Picknick geht’s weiter mit der Bahn talabwärts über Visp ins Mattertal nach Sankt Niklaus. Dort genehmigen wir uns ein Eis. Mein Café Freddo ist alles Andere als kalt. Trotzdem gebe ich ein grosszügiges Trinkgeld, das die Serviceangestellte prompt mit einem weiteren Café Freddo (diesmal kalt) erwidert. Das Schicksal würfelt uns zurück nach Visp. Es ist also nichts mit Matterhorn-Schauen.

Die Würfel weisen uns den Weg nach Leuk. Es ist bereits 5 Uhr, was machen wir? Das Dorf Leuk liegt weiter oben am Hang, aber ein verfügbares und schönes Hotel zeigt mir Booking keines an. Da entschliessen wir uns, die Würfel beiseitezulegen und unsere Reise in Martigny zu beenden. Dort finde ich ein Hotel im Stadtzentrum, das wir vom Bahnhof zu Fuss in 10 Minuten erreichen.

In einem nahegelegenen Stadtpark spielen wir eine zweite Pétanque-Partie und genehmigen uns einen Apéro auf dem Hauptplatz der Altstadt. Bereits auf dem Weg zum Hotel fegten ein paar Windböen durch die Gassen. Während wir in einer Pizzeria im Innenhof essen, kommt wieder starker Wind auf, so dass wir ins Innere des Restaurants flüchten müssen. In der Nacht höre ich das Donnergrollen und den Regen. Eine willkommene Abkühlung nach durchgehend heissen Tagen.

Zum Schluss noch eine vergleichende Bildbetrachtung: der Bahnhof Martigny heute und vor 25 Jahren. Wo sich damals im Parterre drei Fenster befanden, führt heute statt des mittleren Fensters eine Tür ins Bahnhofgebäude. Das Stationsschild ist nach oben gerutscht. Im ersten Stock sind die Fensterläden geschlossen, damals wohnte wohl der Bahnhofsvorstand hier. Möglich, dass er an jenem Morgen seine Schicht noch nicht begonnen hatte und hinter den Vorhängen stehend verfolgte, wie vier Radler für die Kamera posierten, bevor sie die erste Etappe in Angriff nahmen. Diese führte sie über den Col de la Forclaz und den Cormet de Roselend nach Val d‘Isère (ca. 120 km, 2200 Höhenmeter). Am Schluss der Tour stand die Ankunft in Nizza (s. Blogbeitrag „Le rouleur“).

(von li nach re) Christian Muheim, Christian Bigler, Theo Stich, Andreas Ebneter