Theo home alone Das Ehepaar Loublier verabschiedet sich

Meine Gastgeber:innen, Martine und Marc Loublier, verreisen für drei Wochen in die Normandie. Sofern ich es richtig verstanden habe, kommt Martine von dort. Die Familie hat zwei Häuser, die sie ebenfalls für Gäste via die gängigen Plattformen und auch direkt anbietet (Link Webseite). Bevor sie sich verabschieden, machen wir zwei Fotos. Auf meinen Wunsch zuerst eines von ihnen, auf ihren Wunsch ein Selfie zu dritt. Bei Letzterem bläst der Mistral und zerzaust unsere Frisuren. Martine meint, sie würden sich über ein Wiedersehen freuen. Das ist ganz meinerseits. Ich könnte mir gut vorstellen, auch nächstes Jahr wieder hierher zu kommen. Danke Martine und Marc für Confitüre und Gastfreundschaft!

Gestern waren wir ins Gespräch gekommen. Ich zeigte ihnen meine Blogeinträge. Diese können sie dank Google bzw. KI gleich auf Französisch lesen. Martine entdeckt meinen Exkurs zum Gaskraftwerk in Lavéra bei Martigues. Sie hätten beide 40 Jahre lang gerade nebenan in der Raffinerie gearbeitet. Zum Unternehmen Ineos (Link Webseite) lese ich die Eigendarstellung der Firma:

"Die Dampfreaktoranlage von Ineos in Lavera, die früher unter dem Markennamen Naphtachimie bekannt war, befindet sich seit 1945 auf dem Gelände von Lavéra in der Gemeinde Martigues. INEOS LAVERA CHEMICALS betreibt mehrere Anlagen und produziert hauptsächlich Olefine (Ethylen, Propylen, Buten, Butadien) durch das Cracken einer von der Raffinerie gelieferten leichten Erdölfraktion: Naphtha. Diese Produkte werden auf dem Landweg, per Bahn, auf dem Seeweg oder über Pipelines vermarktet oder zum größten Teil von den anderen Unternehmen des Standorts verbraucht.

Der Standort ist als Seveso-Standort der oberen Klasse eingestuft. Daher hat die Sicherheit der Mitarbeiter und Anwohner für das Unternehmen oberste Priorität. Die Belegschaft umfasst etwa 500 Mitarbeiter. Das Unternehmen stellt talentierte Mitarbeiter ein und ist bestrebt, das Kompetenzniveau seiner Belegschaft durch Schulungen und die Schaffung guter Bedingungen für ihre berufliche Weiterentwicklung stets auf höchstem Niveau zu halten. All dies im Sinne eines inklusiven Miteinanders.

Derzeit ist die Dampfreaktoranlage bestrebt, ihre Energieeffizienz zu verbessern und die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt zu verringern." (Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version))

Das klingt ja alles sehr positiv. Die Geschichte sieht etwas durchzogener aus. Marc erzählt, wie sich das Unternehmen lange nicht um die Umwelt gekümmert habe. Das Meer sei verschmutzt gewesen, die Tiere ausgestorben. Er und Martine seien involviert gewesen, als die Forderungen des Umweltschutzes nach und nach im Unternehmen umgesetzt wurden. Heute sei das Meer wieder sauber. Meine leise Kritik an ihren E-Autos (dank Strom aus der französischen Atomindustrie) erwidern sie mit dem Hinweis, auf ihrem Dach befänden sich Solarpanels.

Ich denke, dass Martine und Marc wohl zu jener Minderheit von Menschen in Südfrankreich gehören, die wenigstens teilweise umweltbewusst leben. Wir sind alle nicht frei von Widersprüchen. Aber es gibt keinen Weg zurück.

Nun bin ich also für die letzten Tage allein in ihrem Haus. Bereits vergangene Woche gab es Tage bzw. Nächte, in denen sie weg waren. Da entdeckte ich eine vergessene Seite von mir: Ich fürchte mich vor Einbrechern. Deshalb schliesse ich die Haustür ab. Was noch halbwegs verständlich ist, bekommt jedoch paranoide Züge: Wenn ich im Schlafzimmer die Fenster öffne, um vor dem zu Bett gehen frische Luft reinzulassen, bücke ich mich anschliessend, um zu prüfen, ob sich niemand unter das Bett reingeschlichen hat.

Was wohl für heiteres Gelächter sorgt, hat bei mir einen realen Hintergrund: Ein Freund erzählte mal vor vielen Jahren, er habe mit seiner Freundin (und späteren Frau) in Chateauneuf-du-Pape in einer Wohnung Ferien gemacht. Bis sie eines Nachts gewahr werden, dass sich ein Mann unter ihrem Bett befindet. Eine Begebenheit, die alle Ingredienzen eines Horror- oder Psychofilms hat.

A propos Psychofilm: In der Gästewohnung gibt es eine verschlossene Tür. Sie verbindet die beiden Wohnungen. Da sie mit einem Riegel versehen ist, können die Gastgeber:innen nicht heimlich die Gästewohnung betreten. Ich erzählte Martine, dass diese Türe mich an den Film "Psycho" erinnere. Ich meine, dass der Täter heimlich durch eine verschlossene Tür in das Hotelzimmer der Besucherin gelangt.

A propos Einbrecher: So etwas erleben zu müssen, ist undenkbar. Tatsächlich ist es meinen Eltern in ihrem (inzwischen verkauften) Einfamilienhaus in Seltisberg im Kanton Baselland passiert. Mein Vater hörte verdächtige Geräusche in der Garage im Untergeschoss des Hauses. Als er aus dem Schlafzimmer trat, wollte der Einbrecher gerade die Treppe hochkommen. Mein Vater – wohl mit energischen, wütenden Rufen – trieb ihn in die Flucht. Die Garage wurde mit einem einbruchsicheren Fenster versehen.

Wenn die Gastgeber:innen zuhause waren, hörte ich hie und da Geräusche. Das ist für mich wohltuend und verschafft mir die Gewissheit, dass ich nicht ganz alleine bin. Nun sind sie weg. Dafür gibt es Veränderungen im Nebenhaus. Die Nachbarn sind zu Besuch. Bereits gestern war mir, während ich komponierte, eine Stimme störend aufgefallen, die ich selbst durch die geschlossene Wohnungstüre hören konnte. Ich hatte den Verdacht, es sei Martine, die im Innenhof mit einer Nachbarin im Gespräch sei. Shame on me! Heute wird klar, dass es die Nachbarin ist, die nicht nur viel, sondern auch laut auf eine Freundin einredet. Als ich Martine und Marc darauf anspreche, erwidern sie, die Frau sei aus Marseille. Dort spreche man lauter. Ja, Marseille ist halt ein gröberes Pflaster, wo man lauter werden muss, um sich Gehör zu verschaffen.

Promenade von Sausset, i.H. Marseille
Stillleben mit zwei Pfosten und einer Strassenlaterne
Mistral im Oleanderbusch (Variante soft)