Rhein IV Von Laufenburg bis Stein-Säckingen

7. Oktober 2026

Wir verbrachten die Nacht im Haus am Schlossberg. Kein Schloss, sondern ein Hotel ohne Rezeption. Der Batch muss in der Bäckerei Maier abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Also genehmigen wir uns dort einen Café und ein Gipfeli. Als wir bezahlen wollen, tritt ein Paar in die Bäckerei, das wir kennen. Ja genau, Marcel und Barbara vom B&B in Eglisau. Sie hatten damals erwähnt, dass sie heute beim Bahnhof in Laufenburg zwei E-Bikes mieten und mit diesen nach Basel fahren würden. Wir wünschen gute und sichere Fahrt.

Unsere letzte Etappe führt uns durch die Altstadt runter ans linksseitige Rheinufer. Wir gehen vorbei am Skulpturenpark von Erwin Rehmann, den ich im gestrigen Beitrag erwähnte, der im Haus nebenan ein Museum und Kulturort geschaffen hat. Der Bildhauer starb 99-jährig im Dezember 2020.

Der Weg führt über grosse Strecken direkt am Flussufer entlang. In Sisseln passieren wir das Clubhaus der Pontoniere, die in den 2000er-Jahren zweimal Schweizer Meister wurden. Schliesslich erreichen wir das Kraftwerk Stein-Säckingen, das je zur Hälfte im Besitz der Schweiz und Deutschlands ist. Die Flusskraftwerke am Hochrhein profitieren von 150 Metern Gefälle zwischen Bodensee und Basel und produzieren Strom in Höchstspannung, der via Hoch- und Mittelspannung in Niederspannung (220 Volt) transformiert wird, wie wir ihn nutzen.

Wegen des tiefen Pegelstandes lässt das Kraftwerk kaum Wasser durch. Wir picknicken mit Blick auf die zwei weitherum sichtbaren Kirchtürme im deutschen Säckingen. In Stein gehen wir zum Bahnhof hoch und warten auf den Regionalzug, um via Basel nach Luzern zurückzukehren. Der Bahnhof ist mir vertraut. Am 4. Januar 1991 entgleiste hier ein Güterzug mit Zisternenwagen voll Benzin. Zwei Wagen gerieten in Brand. Glücklicherweise konnte die Feuerwehr dank des nahen Rheins Flusswasser für die Löscharbeiten nutzen. Als Korrespondent für das Schweizer Fernsehen berichtete ich vor Ort und war in der Mittags-Tagesschau per Telefon live zugeschaltet.

Diese Live-Schaltung, die einzige in meinem Journalisten-Leben, ist mir aus einem besonderen Grund in Erinnerung geblieben. Ich hielt mich im Medienzentrum auf und kriegte zufällig ein Gespräch mit, in dem die Frage erörtert wurde, ob es sich beim Unfall um technisches oder menschliches Versagen handelt. Der Eine der beiden Gesprächspartner, der offenbar in der Abklärung der Unfallursache beteiligt war, erwähnte dabei, es deute alles auf technisches Versagen hin. Eine wichtige Information für die Öffentlichkeit. Ich sprach ihn darauf an. Als er realisierte, dass ich gleich in einer Liveschaltung des Fernsehens auftreten würde, untersagte er mir, die Information bereits öffentlich zu machen. Dies sei für die Medienkonferenz im Verlauf des Nachmittages geplant.

Im Vorgespräch mit dem Moderator der Tagesschau, Hansjörg Enz (ja, der mit dem Schnauz und der Fliege), thematisierte ich das. Enz wusste, dass ich nicht mehr sagen konnte. Trotzdem insistierte er in der Live-Schaltung bei der Frage der Unfallursache und brachte mich damit in Bedrängnis. Ich hielt jedoch dicht und antwortete ausweichend.

Welche Informationen sind für die Öffentlichkeit bestimmt und welche nicht? Als Journalist hätte ich mit dieser Information einen sogenannten Primeur gelandet. Vielleicht wäre aber der Zeitpunkt tatsächlich verfrüht gewesen und der Sachverhalt musste noch weiter überprüft werden. Es blieb nicht die einzige Situation, in der ich als Journalist unter Druck geriet. Dazu vielleicht mehr in einem künftigen Blogbeitrag.

Link Reportage Schweizer Fernsehen