Rhein II Von Rheinau nach Eglisau

05. Oktober 2026

Beim Frühstück ist der Chef selbst anwesend. Da wir mit einem andern Paar die Einzigen sind, die im Schloss übernachtet haben, werden die gewünschten Speisen direkt an den Tisch serviert. Erfüllt von einem wunderbaren Ort, verabschieden wir uns und gehen entlang der Schlossmauer den Weg ins Dorf runter.

Link Schloss Schwandegg

Wir haben keine Lust, von Diessenhofen nach Schaffhausen zu wandern, das wir bereits von früheren Ausflügen kennen. Stattdessen fahren wir mit dem Bus über Ossingen nach Rheinau. Die Klosterinsel ist bekannt, als Ort der Musik und auch wegen des Engagements von SVP-Übervater Christoph Blocher. Wir treffen die Klosteranlage völlig verweist an. Es ist Montag, das Restaurant geschlossen. Nach einem kurzen Rundgang gehen wir beim Kraftwerk über den Hügel, um rheinabwärts weiter zu wandern.

Es folgt eine der schönsten landschaftlichen Passagen. Wir wandern durch Wälder, teilweise erhöht über dem Rhein. In grösseren Abständen begegnen uns Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Der Rhein bildet die Landesgrenze. Das andere Ufer ist nah. Wo man zuvor über die Grenze Kontakte gepflegt und auch geheiratet hatte, war sie während des Krieges hermetisch abgeriegelt.

Im Anblick der Bunker frage ich mich, welches Abwehrdispositiv dahinter steckte. Was sollten diese Bunker genau bezwecken? Eine befestigte Grenze bildeten sie nicht, dazu waren sie in zu grossen Abständen entlang des Rheins gebaut worden. Heute weiss man, dass die Armee unter General Guisan das Mittelland kampflos preisgegeben und sich im Alpenreduit verschanzt hätte.

Bei Ellikon kommen wir an die Thur, die hier in den Rhein mündet. Die Thurauen sind das grösste Auengebiet des Schweizer Mittellandes. Wegen der anhaltend sommerlichen Temperaturen sind Bauernfamilien nochmals am Heuen. Wir wandern auf einem Damm – ein Schattenspiel mit Figuren, wie sie Giacometti schuf.

Ich wundere mich über Felder mit einer Pflanze, die gelb verfärbt ist, wie ich es nur von den Lärchen kenne. Meine Partnerin vermutet, es seien Spargeln, ist sich aber nicht ganz sicher. Ich zeige wieder mal, wie wenig Ahnung ich von Botanik habe. Für mich wachsen die Spargeln im Boden. Deshalb sind sie weiss und und müssen ausgestochen werden. Da wir uns nicht einig sind, schicke ich Ruedi, meinem Freund und Vogelkundler, ein Foto. Die Antwort kommt postwendend: „Keine Frage: Spargel“.

Schliesslich erreichen wir Rüdlingen. Der Bus bringt uns über Rafz nach Eglisau, wo wir bei wunderbarer Abendstimmung eintreffen. Das Hotel Hirschen ist inzwischen ein Wohnhaus. Zum Glück gibt’s vis-à-vis ein B&B.