Pensionierung Abschied von Zürich
15. Mai 2025
Ich habe mein Büro von Thalwil nach Luzern in unsere Wohnung gezügelt. Philippe, ein Freund, half mir dabei. Im Büro hatte ich alles in Schachteln verpackt und die beiden Büchergestelle demontiert. Anfang Woche war ich noch in den Entsorgungspark in Horgen gefahren, um mich von Dingen zu entledigen, die mich fast ein ganzes Leben begleitet haben.
Zum Beispiel war da mein Bürostuhl aus Jugendzeiten, den mir die Eltern wohl gekauft hatten, als ich ans Gymnasium ging. Er war bei allen Zügelaktionen mit von der Partie gewesen. Die Rückenlehne defekt, hatte ich ihn immer mal wieder benutzt, wenn Gäste im Büro zu Besuch waren, denen ich jeweils meinen eigenen Stuhl anbot. Nun war es an der Zeit, ihn endgültig loszuwerden. Der weisse Abfallkübel aus Plastik stammt wohl auch noch aus meiner Jugendzeit. Der bleibt ein treuer Begleiter auf den Stationen meines Lebensweges: Seltisberg, Basel, Werthenstein, Zürich, Niedererlinsbach, Zürich, Uster, Thalwil, Luzern.
Ich sage in diesem Zusammenhang, ich sei ein Innerschweizer Migrant. Das ist im doppelten Sinne gemeint: Ich bin, da in Stans geboren, Innerschweizer von meiner Herkunft her. Aber ich habe eben immer mal wieder den Wohnort gewechselt und innerhalb der Schweiz migriert. In Stadt und Kanton Zürich habe ich 36 Jahre gearbeitet, davon 28 Jahre auch dort gelebt. Das ist das bisher längste Kapitel meines Lebens. Nach Zürich war ich wegen meiner ersten Stelle nach Abschluss des Studiums gekommen. Am Archiv für Zeitgeschichte an der ETH arbeitete ich als Assistent, bis ich mich beim Fernsehen zum Journalisten ausbilden liess.
Was bleibt? Es sind die Freund:innen, mit denen ich zwischen 1992 und 2004 in Wohngemeinschaften zusammengelebt habe. Die Pétanquespieler:innen von der Josefswiese im Kreis 5, auf der ich 1989 zu spielen begonnen habe. Schliesslich sind es die Freunde aus der Männergruppe, der ich seit 2008 angehöre. Und last but not least: es ist der Tages-Anzeiger, meine Tageszeitung.