Pensionierung Aufräumen in Thalwil

Mein Büro in der ARWO Thalwil

13. Februar 2025

Heute begann ich mit den Aufräumarbeiten im Büro in Thalwil. Ich gebe es Ende Mai auf, weil ich mich aus der Filmproduktion zurückziehe. Die Firma Lumenfilm – „lumen est omen“, sagte mal der verstorbene Kameramann Pio Corradi – behalte ich und verlege ihren Sitz an meinen Wohnort Luzern.

Zuerst nahm ich mir die Unterlagen zu meinem letzten Film „Mitholz“ vor. Über ein Dutzend Plastikmäppchen in unterschiedlicher Farbe, darin Notizen, Korrespondenz, Zeitungsartikel. Ich nahm jedes Blatt in die Hand, überflog den Inhalt, bevor ich es auf den Stapel legte, der in die Papierabfuhr wandert. Von jeder Besprechung hatte ich mir Notizen gemacht. Gespräche mit Cutterin Katharina Bhend, alle paar Tage tauschten wir uns aus über den Stand der Montage. Wie soll die Geschichte erzählt werden: chronologisch oder mit Rückblenden? Welche Sprecherin wählen wir für den Kommentar aus? Und wo braucht es welche Musik?

Unzählige Feedbacks holten wir ein. Kritik auszuhalten, darin immer wieder wichtige Hinweise zu finden, wie die Geschichte verständlicher erzählt werden kann, ist eine der Herausforderungen des Filmemachens. Und dann kommt man an den Punkt, wo man sich entscheidet, nichts mehr am Bild zu ändern — der sogenannte „Picture lock“. Es ist ein Punkt, wo man alles versucht und keine Distanz mehr hat. Zum Glück sind es zeitliche und finanzielle Gründe, die einen dazu zwingen, den Prozess abzuschliessen. Ja, wann ist ein Film fertig? Ich denke an den Maler, der vor seinem Bild auf der Staffelei steht und es mit kritischen Augen prüft. Käme hier jemand auf die Idee, dass er aussenstehende Personen um Rat fragen würde? Hier noch ein Pinselstrich, dort noch eine Schraffur?

Zum Ende kommen, abschliessen können. Das mache ich nun mit meinem Werk. Bereits stehen Schachteln im Büro, die ich aus dem Keller hoch geholt habe. Darin befinden sich unzählige Videokassetten: Rohmaterial, fertige Filme, die sogenannten Master-Kassetten im DigiBeta-Format. Ich werde mit einem Spezialisten darüber sprechen, wie ich meine Filme am besten archivieren kann. Im Unterschied zu 16- oder 35mm-Film ist Video viel weniger lange haltbar. Es muss immer wieder auf neue Formate kopiert werden. Neben der Haltbarkeit stellt sich die Frage, wie wertvoll meine Filme für die Nachwelt sind. Lohnt es sich, sie aufzubewahren? Haben sie eine Bedeutung, die über ihre Entstehungszeit hinausweist?