Mein Vater Zurück im Spital

Heute Morgen erhalte ich einen Anruf vom Spital Liestal. Oberärztin Brockhaus informiert mich über den Zustand meines Vaters. Er hat Mühe mit Schlucken. Statt dass er, wie es normal ist, in den Magen, hat er in die Lunge geschluckt. Das verursachte eine Lungenentzündung, die nun mit Antibiotika behandelt wird. Zudem braucht er weiterhin Sauerstoff, weil er akute Atemprobleme hat. Er ist nach der Operation der Oberschenkel-Fraktur geschwächt. Weil er sich nicht bewegen kann, ist er ans Bett gebunden. Deshalb könnte sich sein Zustand verschlechtern.

Die Oberärztin fragt nach seiner Patientenverfügung. Dort hat er festgehalten, dass er keine lebensverlängernden Massnahmen will. Da wir vereinbaren, dass wir über Verschlechterungen seines Gesundheitszustandes zwischen 8 und 22 Uhr informiert werden, frage ich sie, was bei einem Notfall in der Nacht passieren würde. Sie erwidert, dass sie nicht mit dem Entscheid bis am Morgen warten würde, um mit uns Rücksprache zu nehmen, sondern auf lebensverlängernde Massnahmen verzichten würde, die da sind: ins Koma versetzen, künstlich beatmen.

Wenn jedoch Aussicht darauf besteht, dass er sich wieder erholen könnte, würde er auf der Überwachungstation zusätzlich mit einer Atemmaske und Flüssigkeit versorgt, bis sie mit uns Rücksprache nehmen würde, um den finalen Entscheid zu treffen. Alles Andere sei für sie medizinisch nicht vertretbar und „unwürdig“.

Ich kann auch noch mit der Pflegerin sprechen. Der Vater sei in einem verwirrten Zustand, was nach Operationen in diesem Alter (und wahrscheinlich aufgrund der Narkose) häufig passiere. Er meine, er befinde sich auf einem Bauernhof und müsse arbeiten. Deshalb will er auch immer wieder aufstehen, was zu einem erneuten Sturz führen könnte. Deswegen wird eine Sitzwache organisiert, die ihn überwacht.

Ich kann kurz mit meinem Vater telefonieren. Er erkennt mich, lässt Kathrin grüssen. Er ist zuversichtlich, dass es wieder gut kommt. Ich staune über seinen Lebenswillen. Er zeigt keine Anzeichen von Ärger oder Unmut über die Situation, in der er sich befindet, sondern ist dankbar über die Hilfe, die er im Spital erhält.

Nachtrag zum Spital Bruderholz: Ich spreche Oberärztin Brockhaus auf die Vorgeschichte an und frage sie nach ihrer Meinung. Sie konsultiert den Austrittsbericht, der standardmässig verfasst sei und auf keine Probleme hinweise. Mehr könne sie dazu nicht sagen, vor allem aber wolle sie das Vorgehen ihrer Kolleg:innen nicht kommentieren.

Mein Vater im August 2025 bei einem Ausflug im Oberbaselbiet