Matisse Besuch im Musée Matisse in Nice
13. April 2026
Mit Kathrin fuhr ich per Bus nach Cimiez etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Nice. Die Schlange der vor dem Eingang wartenden Besucher:innen war noch kurz, sodass wir bald mit dem Rundgang durch die Ausstellung beginnen konnten.
Ich kenne Matisse kaum – ausser die Scherenschnitt-Figuren, die beliebte Postkartenmotive sind. Ich bin beeindruckt von der künstlerischen Biographie. Er war im Zentrum der Entwicklungen der Moderne und hat sich in verschiedensten Techniken ausgedrückt.
Eindrücklich finde ich, wie er 1930 während einer künstlerischen Krise die Malerei zur Seite legt und in Radierungen, die wie strichartige Zeichnungen wirken, zu einer skizzenartigen, radikal vereinfachten Darstellung von Menschen kommt.
Er erlebt beide Weltkriege. In den Texten zur Ausstellung werden sie nur kurz gestreift. Mich würde vor allem interessieren, ob und wie die politische und wirtschaftliche Krise der 30er-Jahre ihn beschäftigt hat und wie er die Besetzung von Nice durch die Deutschen während des 2. Weltkrieges erlebt hat. Darüber erfahre ich nichts. So, wie er als Künstler dargestellt ist, scheint er beinahe ausserhalb von Ort und Zeit gelebt zu haben.
Ist es die Stärke eines Künstlers, dass er unbeeindruckt durch die Sorgen und Nöte des Alltags unbeirrt an seinem Werk arbeitet? Oder ist es das Manko der Kunstgeschichte, dass sie den gesellschaftlich-politischen Kontext, in dem ein Künstler lebt und arbeitet, gar nicht oder viel zu rudimentär einbezieht?
Auf Wikipedia lese ich, dass er seit 1938 in Cimiez lebte, das 1943 bombardiert wurde. Weiter heisst es: „1944 wurde seine geschiedene Frau verhaftet und Tochter Marguerite wegen Beteiligung an der Résistance deportiert und zu einer sechsmonatigen Haft verurteilt.“ Da frage ich mich, ob und wie er sich politisch positioniert und geäussert hat. Darüber erfahre ich sowohl bei Wikipedia wie auch im Museum nichts.
Nachtrag zu meinem Vater: Er muss weiterhin wegen einer Lungenentzündung mit Antibiotika behandelt werden. Sein Zustand ist jedoch soweit stabil, dass das Spital Liestal eine Reha für ihn plant. Ironie der Geschichte: Mein Vater wird dafür voraussichtlich zurück ins Spital Bruderholz überführt, das über eine Reha-Abteilung verfügt.