Lydia, Christoph et Jean-Marc Abschied vom Pétanque-Club Nice Métropol

29. April 2026

Nach dem Frühstück hatte ich um 11 Uhr einen Termin: Zoom-Sitzung mit Ed Partyka von der Hochschule für Musik Luzern. Er ist seit Herbst 2024 mein Dozent für Komposition, ein versierter und international tätiger Komponist, Arrangeur und Leiter von Bigbands. Kennengelernt hatte ich ihn im Jazzclub Moods, wo er mit dem Zurich Jazz Orchestra gastierte, deren Konzerte ich im Auftrag des Jazzclubs mittels fest installierten Videokameras aufzeichnete.

Wir besprechen meine Komposition „Hanami“. Hanami ist ein Fest, das in Japan aus Anlass der Kirschblüte gefeiert wird. Kathrin und ich haben in Luzern auf einem unserer Balkons ein kleines Kirschbäumchen (genauer Zierkirsche), das jeweils im März als erste Pflanze im „Vögeligärtli“ zu blühen beginnt – der Name des Stadtparks, auf den wir aus unserer Wohnung blicken.

Die Blüte des Kirschbäumchens ist wunderbar anzuschauen, aber sie ist auch schnell vorbei. Wenn der Regen fällt, schlägt er die Blüten runter. Auch der Wind trägt das Seinige dazu bei, dass die ganze Herrlichkeit schon bald wieder Geschichte ist. Im dritten Monat meiner Pensionierung wurde das Bäumchen für mich zum Sinnbild für die Vergänglichkeit des Lebens. Und ich schrieb einen Text in Strophenform für ein neues Jazzstück.

Die Auszeit wollte ich auch dafür nutzen, an der Komposition zu arbeiten. Nun ist sie bereits weit gediehen. Ed regt an, den Shout-Chorus – der Höhepunkt des Stücks, wo die Bigband im Tutti spielt - zu verlängern und in Motiv und Dynamik zu verstärken. Es ist sehr angenehm, mit Ed zusammenzuarbeiten. Er hat Humor und reflektiert Fragestellungen immer wieder in Rückgriff auf eigene Erfahrungen. Er ist nicht der Pädagoge, der durch Lob motiviert. Es ist eher so, dass ich davon ausgehen kann, dass ohne Kritik von seiner Seite meine Arbeit auf gutem Wege ist.

Ziel ist es nun, die Komposition fertigzustellen für die Proben und Aufnahmen der HSLU-Bigband Anfang Juni. Das Spezielle daran wird sein, dass Kathrin den Gesangspart übernimmt. Es ist unsere erste Zusammenarbeit. Zuvor hatte ich in meinen Kompositionen nicht an die Stimme als Instrument gedacht, sondern wollte primär für die Bläser komponieren. Als ich die Melodie von „Hanami“ zu schreiben begann, wurde mir bewusst, dass sie sich sehr gut für die Stimme eignen würde. Bevor ich nach Südfrankreich aufbrach, probten wir das Stück ein paar Mal. Kathrin regte einige Änderungen an, die mich überzeugten.

Der Vorteil als Komponist ist, dass ich überall arbeiten kann. Für einen besseren Ton habe ich zwei kleine Lautsprecher-Böxchen mitgenommen. Im fortgeschrittenen Stadium brauche ich das Klavier nicht mehr. Alles, was ich schreibe, kann ich über die Notations-Software „Sibelius“ abhören. Das Klavier ist für mich nur wichtig in der Anfangsphase, wo ich über Improvisation ein Thema suche, das mich zu einer Melodie inspiriert.

Autor am Komponieren

Die Sitzung mit Ed ist nach einer Stunde beendet. Ruedi war in der Zwischenzeit an der Promenade des Anglais spazieren. Nun essen wir gemeinsam zu Mittag, bevor es wieder zum Pétanque-Club „Nice Métropol“ geht. Heute spielen wir eine Triplette mit Rocco, der von Namen und Akzent her Italiener sein muss. Unsere Gegner heissen Philippe, Jean-Paul – und Lydia, die Frau mit dem Hund. Wir haben zusammen viel Spass. Drum lassen wir uns auch mit ihr fotographieren. Und sie freut sich, dass wir ihr die Fotos schicken.

Die drei Spiele sind eng umkämpft. Jean-Paul erweist sich trotz seines Alters als sehr versierter Spieler. Das sieht man daran, wie er die Spielsituationen einschätzt – wir sagen: wie er das Spiel liest – und welche Taktik er wählt. Wir gewinnen die Partien alle 13:12. Anschliessend offeriere ich im Clubhaus ein Getränk.

Was mich beschäftigt, ist die Frage, an welchen offiziellen Turnieren des französischen Pétanque-Verbandes wir als Schweizer spielen dürfen. Darauf spreche ich den Präsidenten des Clubs an. Zum Gespräch gesellt sich ein Spieler, der zu den Besseren im Club gehört. Sie bestätigen beide, dass wir zu einem Veteranen-Turnier in Menton am nächsten Tag zugelassen sein sollten, wenn wir uns rechtzeitig einschreiben.

Ich vermute, dass Christoph, jener Spieler, daraus schloss, dass die beiden Schweizer Ambitionen haben. Prompt fragt er uns, ob wir eine Partie gegen ihn und Jean-Marc spielen würden. Diesen habe ich schon früher beobachtet. Er ist ein ausgezeichneter Schütze. Für mich ist es eine Ehre, dass sie uns herausfordern. Ich schätze, dass es schwer werden könnte, überhaupt Punkte gegen sie zu gewinnen.

Jean-Marc spielt überraschend als Punkter. Aber auch Christoph stellt sich als ausgezeichneter Schütze heraus. Nur haben sie zwischendurch Fehlkugeln, was uns erlaubt, einige Punkte zu machen. Das Spiel ist für mich überraschend ausgeglichen. Bis beim Stand von 10:9 für uns sich die Klasse unserer Gegner durchsetzt und sie die Partie 13:10 gewinnen. Die Revanche gelingt nicht. Im Gegenteil: wir kriegen ein „Fanny“, die Partie geht 13:0 an sie.

Es ist ein toller Abschluss des Tages. Da am 1. Mai der Club geschlossen und noch offen ist, ob am Samstag gespielt wird, verabschiede ich mich von einzelnen Spielern mit dem Hinweis, dass ich vielleicht nächstes Jahr wiederkomme. Der Club und seine Mitglieder sind innerhalb weniger Tage zu einer Heimat für mich geworden. Es war schön zu erleben, wie offen und gastfreundlich die Menschen hier sind. Merci Lydia, Christoph et Jean-Marc. Vive la Pétanque!

Autor beim Messen, unter wachsamer Beobachtung der Mitspieler
Autor mit Lydia und Ruedi
Autor mit Ruedi, Christoph und Jean-Marc