Ausflug nach Menton Von einem Turnier und einem Haus am Meer
30. April 2026
Ich telefoniere am Morgen dem Pétanque-Club Menton und teile unsere Namen und Lizenznummern mit. Damit sind wir für das Veteranen-Turnier eingeschrieben. Da es ein Turnier ist, das vom französischen Verband organisiert wird, gilt ein Verhaltensreglement, das seit Anfang Jahr Gültigkeit hat.
Vor Ort erfahren wir von der Turnierleiterin und dem Schiedsrichter, was neu Sache ist: Die Spieler müssen mit ihren Clubtenues antreten. Dazu gehört nicht nur das T-Shirt mit dem Logo des Clubs, sondern auch eine Sporthose. Jeans sind nicht mehr erlaubt. Ruedi und ich haben keine Club-Shirts mitgenommen. Unsere Hosen gehen knapp in Ordnung. Da wir beide ein schwarzes T-Shirt tragen, drückt der Schiedsrichter ebenfalls ein Auge zu.
Weil die Turnierleiterin ein Problem mit der Software hat, macht sie die Auslosung wie früher auf Papier. Streng genommen müsste sie uns vom Turnier ausschliessen. Deshalb befürchte ich, dass wir die Reise trotz rechtzeitiger Anmeldung vergebens gemacht haben. Da werden die Auslosungen aufgehängt. Und siehe da: Stich/Escher sind als Equipe Nr. 43 aufgelistet und spielen ihre erste Partie gegen ein Team des Pétanque-Clubs Antibes.
Mit einem der beiden gegnerischen Spieler komme ich vor dem Turnier ins Gespräch. Im Moment seien Pétanque-Spieler:innen aus Zürich zu Besuch und erhielten Trainingslektionen von ihnen. Er zeigt mir Fotos. Darauf erkenne ich zwei Frauen vom Pétanque Club Zürich (PCZ), bei dem ich seit 1989 Mitglied bin. Der Spieler macht von Ruedi und mir ein Foto und schickt es der einen. Schliesslich telefoniere ich mit ihr: Regina Marti ist mit ihrer Clubmannschaft für eine Woche in Antibes. Der Kontakt zum örtlichen Club ist über Mitglieder der Gruppe vor ein paar Jahren entstanden.
Unser erstes Spiel findet auf Platz 6 statt. Viel Sand und Bodenwellen. Ruedi kommt nicht damit zurecht, ich schon eher, aber es reicht nur für 3 Punkte. Das zweite Spiel findet auf einem komplett andern Terrain statt. Hier kommt Ruedi sofort gut ins Spiel und hat fast keine Fehlkugeln. Eine gute Voraussetzung um Punkte zu gewinnen. Nur komme ich diesmal mit dem Boden überhaupt nicht zurecht. Ich finde kein Mittel, wie ich die Kugeln spielen soll: flach, halbhoch oder hoch. Das habe ich noch selten erlebt. Entsprechend verlieren wir die Partie 2:13. Damit ist das Turnier für uns bereits beendet. Wir verfolgen einige Spielzüge anderer Partien und machen uns dann auf den Nachhauseweg.
Randbemerkung: Die Nachbargemeinde von Menton heisst Roquebrune-Cap-Martin. Am Cap steht ein berühmtes Haus, das Le Corbusier zugeschrieben wird. Tatsächlich hat es die Künstlerin Eileen Gray konzipiert und mithilfe eines befreundeten Architekten gebaut. Le Corbusier war hell begeistert davon und drängte die Künstlerin dazu, die Wände von ihm bemalen zu lassen. Während Le Corbusier Weltkarriere machte und ihm in der Folge das Haus zugeschrieben wurde, ging sie in Vergessenheit. Wie Männer künstlerische Leistungen von Frauen usurpieren, ist im Film von Beatrice Minger und Christoph Schaub „E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer“ (2024) eindrücklich dargestellt (Link Film).