Lucerne Festival III Abschlusskonzert Composer Seminar

Das LFCO mit Dirigentin Nina Haug

24. August 2026

Das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) spielte gestern neue Orchesterwerke der Teilnehmer:innen des Composer Seminar: Caio de Azevedo, Alexandre Jamar, Sungtae Paek, Emircan Pehlivan, Miles Walter und Zihan Wu. Es waren Uraufführungen. Das Lucerne Festival schreibt dazu:

"Was treibt junge Komponist*innen um? Was beschäftigt sie künstlerisch, gesellschaftlich und politisch? Und wie reagieren sie musikalisch darauf? Im Abschlusskonzert des Composer Seminars erfahren Sie es. Es bietet sechs Nachwuchskomponist*innen aus Brasilien und Belgien, China und Südkorea, der Türkei und den USA eine Bühne. Aus über 100 Bewerber*innen wurden sie ausgewählt und haben ihre neuen Orchesterwerke zunächst im Plenum diskutiert, dazu in Einzelcoachings mit Dieter Ammann und Unsuk Chin, die das Composer Seminar leiten. Vor allem aber: Sie konnten sie anschliessend mit den Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) einstudieren — eine einzigartige Möglichkeit, weil sich so die eigenen Klangvorstellungen hörend überprüfen lassen. Nun stellen sie ihre neuen Werke der Öffentlichkeit vor. Ammann und Chin machen uns im Konzert mit den Komponist*innen bekannt, erläutern die Hintergründe ihrer Musik und geben Hörhinweise."

Das Konzert fand nicht im grossen Saal, sondern im kleineren Luzerner Saal statt. Das einzige Werk, das ich vom Seminar her kannte, war die Komposition "Raks" des türkischen Komponisten Emircan Pehlivan. Sie kam live noch besser zur Geltung, die Rhythmen waren mitreissend. Ein Kontrast zu den andern Werken, die eher dem entsprechen, was ich unter zeitgenössischer Musik verstehe und erwarte. Wunderbare Klanglandschaften, interessante Spieltechniken. Es ist unglaublich, was ein solches Orchester von bis zu 50 Musiker:innen an Ausdrucksmöglichkeiten bietet.

Die jungen Komponist:innen nutzen diesen Klangkörper bereits vituos. Die grössere Herausforderung scheint mir die Dramaturgie, die Gestaltung eines längeren musikalischen Bogens. Die Stücke wirken manchmal eher wie aneinandergereihte Szenen als eine schlüssige Handlung. Aber die Komponist:innen (zwischen 25 und 32 Jahren alt) haben ja noch einen langen Weg vor sich. Werden wir in 20 Jahren immer noch von ihnen hören? Wer schafft es, von einem hoffnungsvollen Nachwuchstalent zu einem international anerkannten Komponisten zu werden, wie es Dieter Amman und Unsuk Chin sind?

Sie haben alle die besten Voraussetzungen und sind hervorragend ausgebildet. Nun wird sich zeigen, wer ausserhalb der unterstützenden Hochschule genug Selbstmotivation, Duchhaltewillen und Hartnäckigkeit hat, seine eigene Vision zu verfolgen. Mit Komponieren die Existenz zu bestreiten, gelingt nur wenigen. Die Kunst ist es, durch das Unterrichten oder andere Nebeneinkommen eine Existenz zu sichern und immer noch genügend Zeit und Musse für das eigene Werk zu haben. Dieter Ammann komponiert in der Nacht. Good luck!

(von oben links nach unten rechts) Alexandre Jamar, Caio de Azevedo, Emircan Pehlivan, Zihan Wu, Sungtae Paek, Miles Walter