Lucerne Festival II Composer Seminar

Am Tischende: Dieter Ammann (re) und Unsuk Chin (li)

19. August 2026

Vorgestern und gestern besuchte ich das Composer Seminar, das von Dieter Ammann – meinem zukünftigen Dozenten an der HSLU – und Unsuk Chin geleitet wird. Aus über 100 Bewerbungen haben sie einige wenige Komponist:innen ausgewählt, die ihre neusten Kompositionen vorstellen. Am Seminar können auch Gäste wie ich zu einem moderaten Preis teilnehmen.

Gestern war zuerst der türkische Komponist Emircan Pehlivan an der Reihe. Er präsentierte ein Werk, das von traditionellen Rhythmen und Instrumenten inspiriert ist. Für mich, der ich gerne ungerade Rhythmen wie 5/8tel oder 7/8tel-Takte nutze (s. meine letzte Komposition „Hanami“), war sein Stück sehr zugänglich. Die Rückmeldungen, die er erhielt, fragten nach, ob und wie er ausgehend von diesem Erbe und im Kontext der zeitgenössischen Musik zu einer eigenen Sprache finden wolle. In jener hat er sich zwar versucht und spielte Ausschnitte aus solchen Werken vor. Er bezeichnete sie jedoch als „bad music“ und machte sich über die musikalische Sprache der zeitgenössischen Musik lustig.

Miles Walter, ein Pianist und Komponist aus Amerika, beeindruckte durch eine virtuose musikalische Sprache. Auf Rückfragen antwortete er noch detaillierter als seine musikalische Sprache ist. Manchmal war ich mir aber nicht sicher, wieweit er Inputs, die fragen bzw. hinterfragen, überhaupt aufnehmen kann. Er scheint derart in seiner musikalischen Welt verankert zu sein, dass er Züge eines Nerds hat.

Die Werke dieser jungen Komponisten sind häufig Aufträge, die sie von Festivals oder Interpreten erhalten. Der Türke kann offenbar davon leben. Das ist nicht selbstverständlich, wie die Reaktionen von Dieter und Unsuk zeigten. Während jener bewusst die Hochschule für seine Existenzsicherung wählt, um genügend Zeit für das Komponieren zu haben, liess diese durchblicken, dass sie mehr schlecht als recht davon leben kann.

Ich freue mich auf Sonntag, wenn die Werke der Komponist:innen von einem Orchester im KKL (Luzerner Saal, 14 Uhr) aufgeführt werden.