Impressionen des Alltags Von Luzern über Thalwil nach Oerlikon
28. Mai 2026
Am Pfingstsamstag fand in Luzern am Quai beim Hotel National der Grand Prix de Pétanque statt, das alljährliche Turnier des Pétanque Club Luzern. Mit Armin spielte ich in einer Doublette fünf Spiele gegen andere Mannschaften aus der ganzen Schweiz. Wir gewannen zwei Spiele, was uns am Schluss den 89. Rang von 139 Teams einbrachte.
Während ich die Finalspiele verfolgte, fiel mir der Schatten einer Leine mit Fähnchen auf, die über den Platz gespannt war. Der Kies war von einem Mitglied des Clubs mit einem Rechen verteilt worden, alle Spuren der vorherigen Partien waren getilgt. Tabula rasa – nun konnte ein neues Spiel seine Spuren hinterlassen. Bevor es losging, bewegte sich die Leine leicht im Wind hin und her. So fielen mir die Schatten der Fähnchen auf.
Am Freitag zuvor spielte Kathrin mit ihrer Band „Cardhu Tree“ im Kulturraum Thalwil. Es sollte ihr letztes gemeinsames Konzert werden. So hatte es Kathrin im Winter geplant. Sie war es müde, sich immer wieder vergeblich um Auftrittsorte bemühen zu müssen. Es gab Veranstalter, die es inzwischen zur Bedingung machen, dass die Künstler:innen selber Publikum organisieren und dafür sogar Tickets kaufen. Im Frühling hat es aber Anfragen und weitere Terminangebote gegeben, so dass Kathrin trotzdem weitermacht. Auch hat sie wieder Inspirationen für neue Songs gefunden. Sie rappt die Geschichte eines Adlerjungen, der unter Hühnern aufwächst und glaubt, er sei ein Huhn. Köstlich!
Heute habe ich einen Termin bei der Dentalhygienikerin in Oerlikon. Das rührt daher, dass ich 1988 – als ich wegen der Ausbildung beim Schweizer Fernsehen nach Zürich zog – einen Zahnarzt suchte, dessen Praxis sich auf dem Weg zwischen meiner Wohnung in der Nähe des Rigiplatzes und meinem Arbeitsort in Zürich-Leutschenbach befand. So entdeckte ich Dr. Grob, dessen Nachfolger Philipp Zuber nun seit Mitte der 90er-Jahre mein Zahnarzt ist.
An der Inneneinrichtung der Praxis hat sich seither kaum etwas verändert. Im Wartezimmer steht immer noch das Aquarium. Dunkelbraune Abdeckungen. Oranges Sofa. Einzig die Zeitschriften liegen nicht mehr auf der Ablage. Die sind während der Pandemie verschwunden. Auf dem Hinweg kam mir der Gedanke, diese Praxis sei auch Teil meiner Heimat. Das hochformatige Bild vor der Eingangstür, der Duft beim Eintreten, Praxisassistentin Frau Alexandrova, die hier ihre Lehre machte und geblieben ist. Viel Kontinuität und Vertrautheit. Und natürlich Qualität und Kompetenz, die mich diese Reise nach Oerlikon immer noch machen lassen.
Im Quartier gibt es Veränderungen. Das ehemalige Sexkino ist verschwunden. Nun ist das Restaurant „Venus“ eingezogen. Der Ort ist zum „Exkino“ geworden – wie viele andere auch in der Folge des Kinosterbens. Am Marktplatz vermisse ich den Bioladen „Casa Natura“. Im Internet finde ich die alte Adresse: Edisonstrasse 26. Das Reformhaus ist seit dem 3. Januar 2023 geschlossen. Es ging Konkurs.
Nachtrag zu gestern: Die Probe meines Musikstücks mit der Bigband der Hochschule Luzern fand statt. Die Bläser kriegten ihre Partien schon recht gut hin. Das Fundament, die Rhythmusgruppe mit Schlagzeug, Bass und Klavier, groovt noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch sie das schaffen werden. Ich freue mich auf die Probe nächste Woche, wenn wir zusammen mit Kathrin das Stück zum ersten Mal komplett hören.