Ferien IV Von Sins nach Muri

21. Juli 2026

Ich bin früh wach und blicke zum Fenster raus. Die Sonne taucht die Landschaft in ein warmes Morgenlicht. Das Hotel befindet sich in einem Gewerbequartier am südlichen Ende des Dorfes. In der Diagonalen durchquert eine Eisenbahnlinie das Bild. Sie führt von Lenzburg durch das Freiamt nach Rotkreuz und ist Teil einer Nord-Süd-Transitachse, die von Güterzügen benutzt wird. Vor dem Einschlafen hörte ich hie und da das Rumpeln der Waggons. Im Hintergrund sieht man die Rigi. Ein ungewohntes Bild für mich, da sie sich in Luzern mit markantem Profil zeigt. Hier ist sie langgestreckt und hat nichts von ihrer Majestät (Monte Regina).

Nach dem Frühstück suchen wir einen Laden an der Hauptstrasse, um für das Picknick einzukaufen. Der „Creabeck“ hat, was mein Herz begehrt: ein Sandwich mit Fleischkäse und ein Bireweggli. Es gäbe sogar eine Aktion 4 für 3, aber dafür reicht der Platz in meinem Rucksack nicht. So gehe ich versöhnt mit Sins von dannen.

Der Weg führt uns aus dem aargauischen Sins zurück über die Reuss wieder auf Zuger Gebiet. Das „Zollhaus“, ein wunderbar gelegenes Restaurant, in dem wir gestern Abend bei milden Temperaturen getafelt hatten, gehört zur Gemeinde Hünenberg. Zwischen Sins, Hünenberg und Gisikon ereignete sich 1847 der letzte Bürgerkrieg, den die Schweiz erlebte. Während des Sonderbundskrieges lehnten sich die katholisch-konservativen Orte gegen die Eidgenossenschaft auf, die daran war, mit der Bundesverfassung ein neues Staatsgebilde zu schaffen – ein modernes Verständnis des Staates, das in Europa seinesgleichen suchte. Die reaktionären Kräfte wurden von General Dufour und seinen Truppen in Gisikon besiegt, der neue Bundesstaat konnte 1848 gegründet werden.

Wir wandern weiter der Reuss entlang. Ich nenne es Flach-Wandern, gemäss der neuen Berg- und Alpinwanderskala handelt es sich um die Kategorie T1:

Weg gut gebahnt. Falls vorhanden, sind exponierte Stellen sehr gut gesichert. Absturzgefahr kann bei normalem Verhalten weitgehend ausgeschlossen werden.
Anforderungen: Keine spezifischen Anforderungen. Orientierung problemlos, in der Regel auch ohne Karte möglich.“

Mein Freund Ruedi, ein Viel-Wanderer, ist bezüglich Karte ein strenger Gefährte. Als ich mal vor Jahren mit einer 60‘000er-Karte im Tessin wanderte und mit meiner Begleiterin prompt vom Weg abkam, kam die Schelte postwendend. Nun nutze ich die App von SchweizMobil, die für unsere Zwecke ideal ist – vor allem, weil wir dank GPS jederzeit unseren Standort sehen. Daneben konsultiere ich die Wanderwebsite hikr.org, die detaillierte Informationen zum Reussuferweg liefert.

Meist wandern wir auf dem Reussdamm, der wegen der häufigen Überschwemmungen aufgeschüttet wurde. Das ist zwar erhöht, aber wegen dichtem Gebüsch oder sogar Wald – ein Naturschutzgebiet – entschwindet die Reuss mehr und mehr aus unserem Blickfeld.

Wir befinden uns im Grenzgebiet dreier Kantone. Die Reuss bildet die Grenze zwischen dem Aargau und Zug. Auf der andern Seite fliesst die Lorze, die beim Reussspitz in die Reuss mündet. Sie trennt die Kantone Zug und Zürich.

Schliesslich erreichen wir das zürcherische Ottenbach. Das B&B, das im schönen Dorfkern idyllisch gelegen ist, hat jedoch keinen Platz mehr. So nehmen wir nach einem Zwischenhalt in einem Café den Bus über Oberlunkhofen nach Muri. Dort finden wir ein schönes Hotel für die Unterkunft.