Beobachtungen auf dem Balkon Der Hausrotschwanz
10.06.2026
In den letzten warmen Tagen sassen wir öfters auf dem Balkon, der auf den Hinterhof geht. Dort befand sich früher die Druckerei Räber, die bis Ende der 1950er-Jahre die katholische Zeitung "Vaterland" druckte. Deshalb heisst unser Haus Gutenberghof. Die Zeitung stellte den nationalen und internationalen Teil anderen Zeitungen als Mantel zur Verfügung, zum Beispiel dem "Basler Volksblatt", das mein Vater abonniert hatte. Als ich die katholisch-konservative Tageszeitung in den 70er-Jahren zu lesen begann, wurde sie jedoch nicht mehr hier im Innenhof, sondern in einer eigenen Druckerei des "Vaterland" gedruckt.
Der Ausblick ist nicht besonders attraktiv, weil das Gebäude der ehemaligen Druckerei mitten im Innenhof steht und kein Platz für Bäume lässt. Umso schöner ist es, dass das Dach des Gebäudes begrünt ist. Dort fiel uns auf, dass sich zwei kleine Vögel umtrieben, die statt einer Melodie oder eines Motivs nur Laute von sich gaben, wie ich sie von Krähen her kenne. Tatsächlich taucht dann eine solche auch auf und stolziert auf dem Dach herum. Krähen sind Räuber, wahrscheinlich war sie auf der Suche nach dem Nest der kleinen Vögel. Als sie sich offenbar ergebnislos davonmachte, flog ihr einer der Vögel hintendrein, wie um ihr noch den Tarif durchzugeben.
Da wir den Vogel nicht kannten, schickte Kathrin Ruedi ein Video. Er ist Hobbyornithologe und hat eben eine Weiterbildung von BirdLife Schweiz abgeschlossen. Ruedi erkannte den Vogel sofort: es ist ein Hausrotschwanz. Ein paar Tage später war ich allein auf dem Balkon, als er wieder auftauchte. Da nahm ich folgende Sequenz auf. Darauf sieht man sehr schön den roten Schwanz. Wahrscheinlich hat er mich bemerkt und sich mir präsentiert.
Am Wochenende haben wir endlich neue Balkonblumen gekauft und in die Kisten gepflanzt. Das bringt etwas Farbe in den grauen Innenhof und erfreut unser Auge, wenn wir draussen bei warmem Wetter essen. Das dürfte auch dem Hausrotschwanz aufgefallen sein. Nur ist er inzwischen spurlos verschwunden. Vielleicht hat die Krähe ihm doch deutlich gemacht, dass das Hausdach für ein Nest ungeeignet ist. Schade! Da sich sonst kaum etwas im Innenhof tut, waren wir froh über die Unterhaltung, wenn auch die Laute des Hausrotschwanz aus musikalischer Sicht etwas gar wenig hergeben.