Adieu Nice Aufbruch zu neuen Ufern

4. Mai 2026

Die Wohnung von Beatrice musste geputzt werden. Bereits gestern hatte ich damit begonnen. Die Entscheidung stellte sich als richtig heraus. Denn heute Morgen waren drei Stunden subito vorbei, so dass ich gerade noch Zeit hatte, die Abfälle zu entsorgen. Beim Plastik war der Container voll. Ein Passant bemerkte auf meine Frage, die beiden Container für Glas und Papier würden geleert, aber dieser nicht. Weshalb wisse er auch nicht.

In der Boulangerie kaufte ich ein Sandwich und verabschiedete mich von Didier, dessen Apfeltorte einfach excellent war und auch von Ruedi sehr geschätzt wurde. Nach dem Picknick rauchte ich eine letzte Zigarette auf dem Balkon und überblickte nochmals die mir so vertraut gewordene Szenerie: der Balkon des Fan von Atalanta Bergamo (dessen Fahne wieder verwickelt um die Stange hing), das Hotel (vor dem gestern Abend wieder eine Reisegruppe wartete, bis der Führer mit dem TUI-Fähnchen vorausschritt), dessen Dach (auf dem ich heute beim Zähneputzen kurz die Dachdecker sah), im Norden der Horizont mit den beiden Hügeln, die den Hintergrund des Logos von Nice Métropole Pétanque bilden. Dann schloss ich die Balkonläden.

Nun musste ich mein gesamtes Gepäck - das ganze Baggage, wir wir jeweils in unserer Familie sagten - selber behändigen. Mit der rechten Hand führte ich das Velo, mit der Linken den Rollkoffer, am Rücken der Rucksack. Ich verzichtete darauf, den mir so vertrauten Weg zum Bahnhof zu gehen, sondern nahm an der Place Masséna das Tram Richtung Henri Sappia (ich muss immer an Sepia, die Farbe, denken). Nach zwei Stationen war ich am Bahnhof, eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges.

Eine Weile musste ich warten, weil auf der Anzeige der abfahrenden Züge noch kein Perron angegeben war. Schliesslich war der Zug da. Auf der Suche nach einem Aufhängeplatz für mein Velo ging ich dem Zug entlang, fand aber kein entsprechendes Symbol auf einer Wagentüre. Am Kopf des Zuges stand jedoch die Zugbegleiterin und zeigte mir das Veloabteil.

In Marseille habe ich 50 Minuten Aufenthalt. Es regnet. Auf dem Perron meines Zuges nach Sausset-les-Pins sind die Scheinwerfer eingeschaltet. Auch dieser Zug hat wieder drei Plätze für Velos. Die Vorhersagen für die nächsten zwei Tage sind schlecht: 90-100% Regenwahrscheinlichkeit. Aber glücklicherweise nur in der Nacht. Tagsüber scheint die Sonne bei 19 Grad.

Meine nächste Station wird also Sausset-les-Pins sein. Dort habe ich via Booking ein Studio gemietet. Ich kenne die Gegend, weil ich in den letzten Jahren jeweils im Herbst mit Freunden aus Zürich für eine Woche in die Nachbargemeinde Carry-le-Rouet reiste, um dort Pétanque zu spielen. La Côte Bleue, wie die Küste heisst, ist weniger bekannt wie die Côte d’Azur und deshalb auch weniger touristisch. Nach Nice, wo sich die Wohnung mitten im Zentrum der Stadt befand, das stark von Tourist:innen frequentiert wird, wollte ich zum Abschluss meiner Auszeit an einem ruhigeren Ort verweilen. Ich wollte jedoch nicht im Hotel in Carry logieren, sondern in einem Studio mit Kochgelegenheit.

Auch in Sausset gibt es einen Pétanque-Club, gleich beim Bahnhof. Ich werde zuallererst dort Anschluss suchen, weil ich in der Nähe wohne. Aber ich werde auch das eine oder andere Turnier beim Club von Carry spielen, dessen Mitglieder ich von Spielen und Gesprächen kenne. Sie werden wohl überrascht sein, mich allein zu sehen und sicher nach meinen Freunden fragen.