Mitholz II Wiedersehen mit einem Schauplatz
08. September 2026
Ich kehre zurück an einen Ort, den ich im Herbst 2014 erstmals besuchte. Kathrin zeigte mir das Haus, in dem ihr Vater aufgewachsen war. In den folgenden Jahren verbrachten wir immer wieder Zeit hier. Bis ich Anfang 2017 auf die Idee kam, der Geschichte der Explosionskatastrophe auf den Grund zu gehen, die sich hier im Dezember 1947 im Munitionsdepot der Schweizer Armee ereignet hatte.
Mitten in den Recherchen passierte etwas, das die Bevölkerung von Mitholz schockierte und mein Projekt entscheidend veränderte. Am 28. Juni 2018 informierten die Verantwortlichen des VBS in der Turnhalle, dass damals durch die Explosion rund 3000 Tonnen Munition im Innern des Depots verschüttet worden und immer noch explosiv seien. Eine Ungeheuerlichkeit, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung 70 Jahre lang im Unwissen darüber gehalten worden war und sorglos weitergelebt hatte.
Knapp zwei Jahre später wurde ihr dann klar gemacht, was das für ihre Zukunft bedeutet: Umsiedlung für mindestens 10 Jahre ab 2030, damit das VBS die Altlast bergen und entsorgen kann. Ursprünglich sollten alle 165 Bewohner:innen das Dorf verlassen. Nachdem sich ein Drittel von ihnen in einer Eingabe dagegen gewehrt hatte, reduzierte das VBS den Sicherheitsperimeter.
Das Haus von Kathrin liegt in der Sicherheitszone. Ihrer Familie blieb nichts Anderes übrig, als das Haus letztes Jahr an das VBS zu verkaufen. Sie kann es aber weiterhin nutzen, bis ca. 2033 die Vorarbeiten für die Räumung der Munition beginnen. Heute Vormittag begrüsse ich hier eine Gruppe der Pädagogischen Hochschule Bern. Eric Klibstiel, ein Freund, leitet den Bereich Weiterbildung und Dienstleistungen des Instituts für Heilpädagogik und hat Mitholz für den Teamausflug ausgewählt.
Wir werden vor dem Haus mit Blick zur Fluh stehen, während ich über die Anfänge meines Filmprojekts erzähle. Jene Fluh, die mir von Beginn weg wegen ihrer Form und Farbe aufgefallen war. Darauf angesprochen, erzählte mir Kathrin erstmals von der Explosion, die den vorderen Teil der Fluh weggesprengt hatte. Ein Mahnmal, das am Anfang meines Interesses für diese tragische Geschichte stand. Später werden wir uns auf den Weg Richtung Blausee machen. Nach dem Mittagessen zeige ich im dortigen Hotel meinen Film und diskutiere mit der Gruppe darüber.
Ich habe den Film schon länger nicht mehr gesehen. Seit seiner Fertigstellung sind nun mehr als 5 Jahre vergangen. Das Leben in Mitholz hat sich seither verändert. Einige Menschen sind bereits weggezogen. Ueli Künzi und Regina Trachsel, die Hauptprotagonist:innen meines Films, harren weiter aus, solange sie noch in der Sicherheitszone wohnen dürfen. Der Schutthügel am Fuss der Fluh wurde inzwischen gerodet, ein Installationsplatz ist entstanden für die Arbeiten, die im Innern der Fluh im Gange sind.